Impuls des Monats
Einmal im Monat teile ich, Heidi Stäger (1. Vorsitzende), an dieser Stelle Ideen und Geschichten.
07.05.2026
VORHER – NACHHER
Ich glaube, diese wahre Geschichte sollte ich im Mutter- und Vatertags-Monat erzählen:
VORHER
Ich komme aus Bayern und bin das Kind des verheirateten Bauern mit der Magd.
Als ich geboren wurde, kam das für alle Beteiligten, meine ledige Mutter und zwei potenzielle Väter, ungelegen – gelinde gesagt.
Ich hatte 9 Halbgeschwister in drei Familien – und natürlich waren meine Eltern überfordert. Doch es gab immer Menschen, die an ihrer statt auf mich achteten.
Meine Grundschullehrerin, Frau Kessler, versuchte, meine Eltern zu überzeugen, mich aufs Gymnasium zu schicken; vergebens.
Herr Weidinger, der neue Pfarrer im Dorf, entdeckte mich vier Jahre später – immer noch auf der Hauptschule –, besorgte mir einen Platz auf der Klosterschule im Nachbarort, überredete meine Eltern und bezahlte das jährlich fällige Schulgeld aus der Armenkasse.
Auf der Klosterschule traf ich Schwester Bonifatia, die mich in den Pausen aktiv suchte und mir ihre Freizeit schenkte, weil sie mein Stenographie-Talent entdeckte hatte. Mit der Stoppuhr in der Hand diktierte sie mir Texte als Training für Bundeswettbewerbe.
Als ich tatsächlich einen gewann und in die Hauptstadt zur Preisverleihung eingeladen wurde, hinterlegte meine Englischlehrerin Fräulein Förschner im Lederwarengeschäft Geld für mich, damit ich mir eine Reisetasche aussuchen möge. Ich lebte in einer Familie, wo es nicht vorgesehen war, auswärts zu übernachten. Es gab keine Koffer; denn es gab Kühe zu melken…
Beim Abschied von der Realschule ermahnte Fräulein Förschner mich eindringlich: „Heidi, ich erwarte von dir, dass du Sprachen studierst.“ Bis zu ihrem Lebensende schickte sie mir jedes Jahr 20 Euro Büchergeld, jahrzehntelang.
NACHHER
Ja, und irgendwann tat ich, was sie mir geraten hatte – weshalb ich u. a. jetzt ehrenamtlich internationale Projekte manage.
Vor einigen Wochen schrieb mir Mable Sumani aus Malawi:
„Heute ist mein 27. Geburtstag. An diesem Tag möchte ich dir danken, dass du eine so wichtige Wegbegleiterin für mich geworden bist.
Es war immer mein Traum, etwas aus mir zu machen und für die Menschen um mich her etwas Positives zu bewirken, und genau auf diesem Weg bin ich jetzt.
Danke, dass du an mich glaubst. Deine Unterstützung gibt mir viel Kraft, und ich verspreche dir, dass du eines Tages sehr stolz auf mich sein wirst.
Danke für alles, was durch dich und die Menschen in Deutschland möglich wird.“
Aus voller Überzeugung konnte ich ihr antworten:
„Mable, wir alle sind jetzt schon stolz auf dich! Dein Beispiel zeigt uns, dass sich jede Mühe lohnt.“
Ich fühlte mich an Mables Geburtstag wie sonst am Muttertag, wenn meine Kinder ihre Wertschätzung ausdrücken.
Ich bin die Glückliche, die diesen Austausch haben darf, aber ich weiß genau, dass ich ihn und viele andere gute Nachrichten all den Menschen verdanke, die es Zukunfts-Bausteine e. V. möglich machen, Monat für Monat mehrere Projekte parallel zu finanzieren.
Es sind Menschen, die selbst Eltern sind, und auch Menschen, die keine eigenen Kinder haben. Die aber für fremde Kinder und Jugendliche das tun, was deren eigene Eltern nicht leisten können.
Das ist groß!
Das verdient einen großen Gemüse-Strauß!
19.04.2026
Gute Idee?
Komm, kleine Idee,
komm zu mir.
Ich will dich hegen und pflegen,
dich nähren,
warmhalten und geheim,
bis wir beide meinen,
es ist gut,
sich zu zeigen.
H. S.
So beschreibe ich mein Verhältnis zu neuen Ideen.
Die Frage, ob wir den Schüler*innen unserer Partnerschule in Malawi eine tägliche kostenlose Schulmahlzeit ermöglichen können oder sogar sollten, war so eine „kleine Idee“.
In Malawi und in Refrath
haben wir sie jahrelang gehegt und gepflegt.
Wir haben Informationen gesammelt.
Risiken und Chancen gewichtet.
Dann die Idee ans Licht gelassen.
Unsere Unterstützer*innen um Hilfe gebeten.
Gleichzeitig zaghaft und deutlich gesagt:
„Sagt ihr uns, ob es geht.
Ob die kleine Idee wirklich werden kann.“
JA.
Das kann sie.
So:
28.03.2026
Am Anfang war das Buch
Und zwar dieses:
In ihm erzählt John Wood seine Geschichte.
Sie begann mit Johns Entschluss, englischsprachige Bücher zu sammeln, um den Kindern einer Schule in Nepal altersgemäßen Lesestoff zu bieten.
Diese erste Idee wuchs zu etwas Großem, der Organisation Room to Read.
Was John Wood nicht weiß: Diese Geschichte inspirierte mich vor dreizehn Jahren zu „Bücher zu Bausteinen“.
Ich war in einem Haushalt ohne Bücher aufgewachsen. Wenn ich sie mir irgendwie ausleihen konnte, musste ich sie heimlich lesen; denn es gab Wichtigeres zu tun: Geschirr spülen, den Kuhstall ausmisten, Kartoffeln lesen (!).
Trotz und wegen dieser Kindheit gehören für mich eine gefüllte Speisekammer und eine verheißungsvolle Bibliothek auf die gleiche Stufe der Bedürfnisskala. Sie sind absolut nötig für menschenwürdiges Leben.
Ich bin froh, dass viele Menschen das auch so sehen und uns helfen, Mägen und Köpfe zu füllen, den Hunger des Körpers und des Geistes zu stillen.
25.02.2026
Leute gibt’s
Sie schenken uns Bücher.
Viele.
Immer wieder.
Sie erzählen ihren Freunden von uns.
Ihren Patienten.
Ihren Kunden.
Ihren Kollegen.
Ihren Familien.
Manchmal schenken sie uns auch Lego.
Einräder.
Kunstwerke.
Bobbycars.
Designermöbel.
Trikots für komplette Mannschaften.
Sie bringen uns ihre eigenen Sachen.
Und die ihrer Nachbarn.
Und die von Fremden.
Zum Valentinstag (!) schenken sie uns Blumen.
Zu Ostern Schokolade.
Und zu Weihnachten was Selbstgemachtes.
Sie vertrauen uns Geld an.
Manchmal viel.
Manchmal spontan.
Manchmal wohlüberlegt.
Für Brunnen.
Für Fenster.
Für Stipendien.
Für Nähmaschinen.
Für eine neue Schulbibliothek.
Für mehr Klassenräume.
Sie sammeln für uns
an ihrem Geburtstag,
bei ihrer Hochzeit,
beim Hauskonzert.
Sie fragen:
„Wie geht es Mable?“
„Und Sumanis Schule?“
„Alles klar auf Carolinas Baustelle?“
Was es doch für Leute gibt!
Was es doch für Menschen gibt!
Heidi Stäger
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